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Mittwoch, 5. Oktober 2016

Was ist ein Schlafkonzert?

Sleep Concert

Was man an einem Sleep Concert sonst noch macht ausser schlafen
 

Von Taina Lopez, Bilder: RRRR-Crew

5.Oktober 2016

„Wer hat gesagt Klub und Schlaf seien inkompatibel?“ Das fragte sich die RRRR-Crew aus Zürich und weil die Antwort „Niemand!“ ist, organisierten sie im Dynamo ein Sleep Concert. Nun, was kann man sich jetzt unter einem Sleep Concert vorstellen?

Das Konzept ist so einfach wie ungewohnt: Die Besucher trudeln mit Schlafsack und Pyjama ein, es wird gemütlich Tee getrunken und geplaudert bis man dann von fein abgestimmter Musik in den Schlaf geschaukelt wird. Es gibt Sleep Concerts schon seit den 80er und ein bisschen überall auf der Welt, doch den meisten sind sie noch fremd.

 

Ein kurzer Erfahrungsbericht meinerseits.

 

Meine Begleitung und ich stehen an der Bar und trinken ein Bier. Es läuft ambient Musik, die einen speziellen Vibe erzeugt. Fast alle sind schon im Pyjama während gemütlich geplaudert, Tee oder eben Bier getrunken wird. Ich habe das Gefühl, dass alle etwas leiser als sonst reden.

Nebenan ist der „Schlafsaal“, der normalerweise als Konzert- oder Klubraum gebraucht wird. Jetzt liegen dort mehr als 20 Matratzen vor einer kleineren Bühne. Und dort fängt jetzt das Konzert von Simon Korsak an. Alle liegen ruhig oder flüsternd in ihren Betten und lauschen der schönen Akustik Gitarre und dem Gesang. Der Simon geniesst es sichtlich, schliesslich scheint das Publikum nun einige Facetten mehr seiner Musik zu hören.

Nach einem Lied ist es ungewohnt still, es gibt keinen Applaus. Einige von uns werfen sich leicht verlegende Blicke zu. Doch nach dem dritten Song beginnt jemand als Zeichen der Wertschätzung mit dem Schlafsack zu rascheln, prompt machen es ihr alle gleich und es raschelt im ganzen Raum! Der Sänger muss schmunzeln.

Ich gehe mir schnell die Zähne im versprayten Klub-WC putzen. Wieder zurück, hat sich Bamba Triste sich schon am DJ-Pult bereit gemacht. Es läuft downtempo, ambient, post rock und Musik von Eliane Radigue, einer französischen Elektro-Pionierin. Passend dazu schweben Lichtpunkte an den Wänden entlang.

Ein Freund erzählt mir noch, dass er vor dem Einschlafen immer noch einen Kaugummi kaut und dann nicke ich weg. Nach zwei, drei Stunden wache ich wieder auf und höre die Drone-Musik, die wohl die ganze Nacht leise spielt.

 

Frühmorgens weckt mich dann sanft das Klavierkonzert von Ewald Klassen.

Ich döse noch etwas vor mich hin, bis ich wieder eine Gitarre klingen höre. Dieses Mal wird noch dazu getrommelt, ergänzt sich sehr gut. Draussen ist es hell und man merkt, es fängt an zu herbsteln. Wir hocken am Fluss, essen Frühstück und reden übers Träumen.

Auch wenn ich nicht ganz topfit und ausgeschlafen aussehe, ich bin mir sicher, so fit wie ich, kam noch selten jemand aus einem Klub um 9:00 Uhr heraus!

 

Einmal kollektiv schlafen gehen und wie die RRRR-Crew so schön sagt, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, ist doch schön!

 

Und wir sind uns einig: solche Sachen sollte es öfter geben.

 

 

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