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Freitag, 5. Mai 2017

Portrait #8: Adrian Gögl von NEIFF

Von Nicole Klotz 

Adrian Gögl stellt unter seinem Label NEIFF Küchenmesser mit massgefertigten Griffen her. Mit Hilfe einer Holzattrappe und Modelliermasse nimmt er den Handabdruck seiner Kunden und erstellt aus diesem Abdruck personalisierte Messergriffe. Nebenbei ist Adrian zu 80% als Designer und Projektleiter bei Götti Switzerland angestellt, verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Adrian fände es schön, wenn sich die Stellenprozente mit der Zeit von Brillen in Richtung Messer verschieben könnten. Für unsere Blogserie zum Thema Arbeit 2.0 habe ich Adrian Gögl in seinem Kelleratelier interviewt:

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, Kochmesser zu gestalten?

Als Abschlussarbeit meines Industriedesign-Studiums habe ich über 3D-gedruckte, massgeschneiderte Brillen geforscht. Eigentlich wollte ich dies nach dem Studium sofort weiterverfolgen. Dann wurde mir jedoch bald nach dem Abschluss ein Job in der Designentwicklung bei Götti Switzerland angeboten. Da kann ich natürlich nicht noch nebenbei mein eigenes Brillenlabel aufbauen. Neben meinem Job wollte ich aber auch an etwas Eigenem arbeiten, daher musste ich etwas Neues kreieren. Da ich extrem gerne und fast täglich Koche, bin ich dann auf die Idee gekommen, mit Hilfe von 3D-Scan und 3D- Druck einen eigenen, auf meine Hand angepassten Messergriff zu gestalten. Das Resultat eines ersten Prototypen fand ich derart überzeugend, dass ich damit weiter machen musste.

 

Wie bist du organisiert, wie arbeitest du?

Momentan arbeite ich hier im Keller meiner Wohnung. Hier habe ich alles was ich brauche: Verschiedene Computer, 3D Drucker, 3D Scanner und alles mögliche Material. Hier kann ich in Ruhe arbeiten, auch am Abend wenn meine Tochter schon im Bett ist, ohne noch in ein Büro fahren zu müssen. Wenn ich hier die Handabdrücke gescannt und mit einem CAD-Programm fertig aufbereitet habe, bestelle ich die endgültigen Messergriffe bei einem Dienstleister, welcher 3D-Druck auf industriellen, professionellen Niveau anbietet. Nach zwei bis drei Wochen werden mir dann die personalisierten Messergriffe geliefert. Dann muss ich nur noch die Griffe mit den Klingen zusammenbringen. Die Messerklingen bestelle ich bei einem Messerschmid in Rapperswil. Wenn ich geschäftliche Kontakte oder Kunden treffe, nutzte ich zudem Institutionen wie den Impact Hub.

 

Wie bringst du deine Messer unter die Leute?

Ich habe eine eigene Internetseite. Im Internet muss ich vertreten sein, damit man sieht, was ich mache. Aber das Internet ist nicht meine Hauptverkaufsplattform. Ich habe ein relativ erklärungsintensives Produkt. Dass heisst, ich muss viel erklären, um potenzielle Kunden davon zu überzeugen, wie gut ein Kochmesser mit massgeschneidertem, ergonomischem Griff sein kann. Im Internet kann man die Klinge und den Griff nicht anfassen und ausprobieren. Daher muss ich mehr Zeit und Geld in Messeauftritte investieren. Vor allem muss ich dort sein, wo meine Zielgruppe, Leute die leidenschaftlich gerne kochen und mit einem guten Produkt arbeiten möchten, lauert. Zu Beginn des Jahres habe ich an der Man’s World teilgenommen und konnte dort meine Messer verkaufen.

 

Was schätzt du an deiner Arbeit, was motiviert dich?

Ich kann nicht einfach am Abend nach Hause kommen, nichts machen, gamen oder fernsehen. Ich möchte mehr unternehmen, ein Unternehmer sein. Es macht Spass, etwas Neues zu erschaffen, unbetretene Pfade zu ergründen.

Zudem ist es anders, als wenn ich angestellt arbeite. Dort habe ich einen Art Director, der mir vorgibt, welche Ziele er verwirklichen möchte. Gemeinsam verfolgen wir dann seine Grundidee. Daneben möchte ich einfach noch etwas Eigenes haben, wo ich alles selbst bestimmen kann. Wenn ich Erfolg habe, kann ich mir selbst auf die Schulter klopfen. Habe ich Misserfolg, weiss ich jedoch auch, wem ich die Schuld geben muss.

 

Was siehst du an deiner Arbeit kritisch oder macht dir etwas Angst?

Manchmal kann man auch vor Erfolg Angst haben. Wenn sich meine Messer mehr etablieren, komme ich vielleicht bald an einen Punkt, an welchem ich nicht mehr alles alleine bewältigen kann und Partner suchen oder jemanden anstellen muss. Bisher hatte ich noch nie eine eigene Firma mit Angestellten. Ich kann zwar gut mit Menschen umgehen, aber ich weiss nicht ob ich Arbeiten gut delegieren oder die Kontrolle abgeben kann. Ich nehme es aber so, wie es kommt. Manchmal hat man aber auch ein wenig Angst, dass sich der Erfolg nicht einstellen könnte. Denn ich investiere viel Zeit in meine Messer, da leidet manchmal auch das Familienleben etwas darunter. Aber vor einiger Zeit sagte mir meine Frau, dass sie sehr stolz auf mich ist und auf das, was ich bisher erreicht habe. Das gibt mir ein gutes Gefühl, um weiter zu machen.

NEIFF ist eine Abwandlung von knife, dem englischen Wort für Messer. Weitere Informationen über das Angebot von NEIFF gibt es auf seiner Hompage, Instagram und Facebook.

 

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