Direkt zum Inhalt
 
 
 
Montag, 29. Mai 2017

Portrait #11: Artemi von Transition Zürich

Artemi Egorov sitzt im Vorstand und ist Co-Präsident des Vereins Transition Zürich. Er bezeichnet sich selbst als freischaffender Projekt-Betreuer und Possibility-Manager. Neben seiner Tätigkeit für Transition Zürich arbeitet er an weiteren Projekten, im Café Jenseits und als Musiker. Ich habe Artemi im Wandellust, dem Arbeitsort von Transition Zürich getroffen und ihn dort im Garten bei Sonnenschein für unsere Blogserie zum Thema Arbeit 2.0 interviewt: ​

Von: Nicole Klotz 

 

Warum braucht es Transition Zürich? 

In Zürich gibt es bereits viele Projekte in Hinsicht auf Nachhaltigkeit, Verantwortung sowie Suffizienz und es kommen immer mehr dazu. Darunter gehören unter anderem Repair-Cafés, Nahrungsmittelkooperativen oder Gemeinschaftsgärten. Zum Wandel tragen jedoch nicht nur die Projekte selbst, sondern vordergründig auch die dahinter stehenden Personen bei. Neben dem diese Gutes für die Gemeinschaft, Umwelt und Zukunft tun, machen sie dies vor allem aber auch, weil es ihnen Freunde bereitet. Und da Freude ansteckend ist, wächst auch der Wandel. Jedoch breitet sich dieser organisch, also ungeordnet aus, sodass keiner den Überblick behält, was es alles gibt oder worauf hingearbeitet wird. Zudem sind zeitliche Ressourcen um sich neben den eigenen Projekten mit anderen zu vernetzen, selten vorhanden. Dies ist Schade, denn Vernetzung erzeugt nicht nur Synergien, sondern hält auch die Motivation hoch, da man sich nicht mehr alleine fühlt, Kräfte gebündelt werden können die gemachte Arbeit sichtbar wird.  

Genau hier setzt der Verein Transition Zürich an: Wir schaffen Verbindungen zwischen den am Zürcher Wandel beteiligten Organisationen, damit alle bewusst und gestärkt dieselbe Vision verfolgen können. So wird der Wandel immer mehr sichtbar und auch für den Normalverbraucher zugänglich.  

 

Welche Ziele hat Transition Zürich? 

Kurzfristig möchte Transition Zürich ein Netzwerk für Wandelpioniere in der Stadt Zürich aufbauen. Dafür werden zweimal jährlich Vernetzungsanlässe organisiert, bei welchen es darum geht herauszufinden, was es braucht, damit ein Netzwerk funktioniert. Die Idee dahinter ist, dass nicht einfach eine Internetplattform aufgesetzt und gesagt wird, da ist etwas und nun braucht es. Vielmehr sollen die beteiligten Leute zuerst gefragt werden, wie das Ganze aussehen soll und was es braucht, damit es schlussendlich auch wirklich genutzt wird. Danach werden entsprechende, bedürfnisorientierte Projekte umgesetzt. 

Mittelfristig möchte Transition Zürich noch mehr mit der Stadt Zürich zusammenarbeiten um die Wandel-Szene in Zürich präsent und sichtbar zu machen, sodass ihr wahres Ausmass den Platz bekommt, den es verdient. 

Langfristig möchte Transition Zürich die 2000W-Strategie umsetzen, den Klimawandel bremsen sowie von der Globalwirtschaft und vom Erdöl unabhängig werden. Dies kann allerdings nur funktionieren, wenn aus einer Ansammlung von über der ganzen Stadt verstreuten Wandel-Pionieren ein Organismus wird. 

 

Was schätzt du an deiner Arbeit für Transition, was motiviert dich? 

Bei Transition hat man die Möglichkeit an etwas zu arbeiten und etwas zu kreieren, was es so bisher noch nicht gibt. Denn nach anfänglichen Recherchen stellte sich heraus, dass es keine anderen Städte gibt, die bereits an einem solchem Projekt arbeiten. Von daher ist es Pionierarbeit und das ist extrem interessant. Auch ist es spannend einmal ein langfristiges Projekt umsetzen zu können.  

Schätzenswert an der Arbeit für Transition Zürich ist auch, dass sie extrem frei und menschlich ist. Denn dabei gelten ganz andere Werte. Es geht nicht darum zu rentieren oder irgendwelche Prinzipien umzusetzen. Auch geht es nicht darum wer wie viel arbeitet und was wie entlohnt wird. Bei Transition Zürich ist die Art wie miteinander und mit dem Geld umgegangen wird viel menschlicher, da immer bedürfnisorientiert geschaut wird, wer gerade was braucht. 

 

Gibt es Dinge die dich stören oder Ängste? 

Angst gehört irgendwie zu dieser ganzen Geschichte dazu, da sie mit gewissen Unsicherheiten verbunden ist. Wenn beispielsweise Fundraising gemacht und mit einer Stiftung zusammengearbeitet wird, ist bis zum Zeitpunkt der definitiven Zusage nicht klar, ob Geld vorhanden sein wird. Da gibt es immer wieder Unsicherheiten, die in Kauf genommen aber auch kommuniziert werden müssen. Daher wird immer geschaut, wer welche Unsicherheit innerhalb des Vereins gerade tragen kann. Das heisst nun konkret, wenn beispielsweise ein Projekt umgesetzt wird und dieses fixe Ausgaben hat, wird geschaut wer die Unsicherheiten übernimmt, wenn das Geld nicht reinkommt. Es gibt immer was zu tun um das Ganze zu synchronisieren und um Klarheit zu schaffen. Daher ist es nicht immer ganz einfach wach und ehrlich zu bleiben sowie zu schauen, dass nicht irgendwelcher unrealistischer Blödsinn geplant wird. 

 

Wie kam es eigentlich zu Transition Zürich? 

Wenn viele Leute eine coole Idee haben aber keine Zeit um sich richtig reinzugeben, dann geschieht lange nichts oder nur wenig. Die Anfangszeit von Transition Zürich war daher ein rechtes Erlebnis, da nicht klar war, ob Transition überhaupt aus den Startlöchern herauskommt. Der Verein entstand schlussendlich durch meine Eigeninitiative, welche ich ergriff, als ich mich nicht ganz entscheiden konnte, wo ich hingehen möchte. Da habe ich einfach voll auf Transition Zürich gesetzt. Auch deshalb, weil da diese Ausschreibung von der Stiftung Mercator Schweiz gewesen ist. So habe ich den Stiftungsantrag geschrieben und den ersten Vernetzungsevent organisiert. Dies war im April letzten Jahres und es hat voll funktioniert. Es war wie ein „All In“ beim Poker. Dies hat dem Verein viel Energie gegeben und aus dieser Energie ist recht viel entstanden.  

 

Transition Zürich (TZ) ist ein Verein und eine Plattform für den zivilgesellschaftlichen Wandel in der Stadt Zürich. Zivilgesellschaftlicher Wandel meint den Wandel in Richtung Nachhaltigkeit, Suffizienz. Dabei beschränkt sich Transition Zürich nicht auf einen bestimmten Bereich, so kann der Wandel im Zusammenhang mit Ernährung, Mobilität, Wohnen, Konsum und vielem weiterem sein. Die Mitglieder des Vereins werden klangvoll Wandel-Pioniere genannt.

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Bist Du ein Mensch? Beweise es!